Beachsoccer-Flöhe erobern den Karlshagener Strand und die Herzen

Anerkennendes Nicken, selbst von den erfahrensten Aktiven dieser Fun-Sportart, war den jungen Beachfußballern vom ersten Moment an sicher, die stolz geschwellte Brust der jeweiligen Trainer auch. Und bei den Eltern, Fans und Besuchern äußerte sich die Anerkennung in Beifall-, ja in Jubelstürme. Auch nach der dritten Auflage des Kinderturniers reibt man sich verwundert die Augen, wie die eigentlich den Rasen gewohnten Fußballer mit dem Sand zurechtkommen. Mit atemberaubender Geschwindigkeit fliegen die Kids die Linie lang, voller Tatendrang wird im Zweikampf gefightet und keiner beschwert sich darüber, dass der Ball sich im Sand nicht so verhält, wie man es eigentlich erwartet oder wünscht.

Und stolz sind die Veranstalter, dass sie erneut auf Teams zurückgreifen konnten, die auch in Sachen Ordnung, Disziplin, Respekt und Höflichkeit Maßstäbe setzen. Das Verhalten der kleinen Aktiven auf und außerhalb des Platzes war beispielgebend. Zweifellos auch ein Verdienst der Trainer und Verantwortlichen. Die gute Kommunikation unter den Mannschaften, mit Schiedsrichtern und Veranstaltern schien so etwas von selbstverständlich...

Hohensee United bedankt sich auch auf diesem Wege für diese Dinge, die im „normalen“ Fußballalltag allzu oft schief gehen. Und der Veranstalter verspricht: Kinder werden im Beachsoccer-Cup Karlshagen immer eine Rolle spielen. Vielleicht sollte man aber den Namen ändern, denn die Akteure haben einen anderen spezifischen Namen verdient. Der Ideenwettbewerb ist hiermit eröffnet.

Rein sportlich war der Kinder-Beachsoccer-Cup Karlshagen an Spannung kaum zu überbieten, denn Mannschaften aus Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern boten nicht nur technisch feine Kost, sondern auch unterschiedlichste Ergebnisse. Die einheimische Spielgemeinschaft Karlshagen/Zinnowitz war mit zwei Mannschaften am Start und als Titelverteidiger auch favorisiert, doch auch sie kamen nicht ungeschoren davon. Das lag auch an Thalia Berlin, die leichtfüßig den Sand beherrschten. Wegen vieler Anfragen hatten die Veranstalter kurzfristig ein Team aus Urlauberkindern eingebaut. Diese nannten sich Ostseekicker und mischten gleichfalls das Feld auf. Publikumslieblinge aber waren die Kinder des SV Merkur Kablow-Ziegelei. Mit zwei Mannschaften und einem großen Elterntross angereist, kämpften die kleinsten der Kicker um jeden Ball, hatten in der Endabrechnung aber keine Chance. Ohnehin lebte die Crew um ihren „Egon“ Daniel Chudaske, in einer „eigenen Welt“. Sie spielt selten im Sand, wohl noch seltener gegen Größere und hatten dazu noch die Final-Veranstaltung für ihren Hugo, der zu Union Berlin wechseln wird. Unter diesen Umständen waren die gezeigten Leistungen verdammt gut.

Der SV Kandelin darf als Stammgast bezeichnet werden. Zum dritten Mal war Henry Dünow mit seinen sympathischen Kickern angereist und das war im Sand zu sehen. Letztendlich war man das Zünglein an der Waage, obwohl es nur zum undankbaren vierten Platz reichte.

Die Turnierentscheidung fiel aber in einem einzigen Spiel, ja in einer einzigen Minute. Nachdem die SG Karlshagen/Zinnowitz II die Ostseekicker (also das Urlauberteam) besiegt hatte, die Ostseekicker ihrerseits aber Thalia Berlin bezwangen, hatte es Thalia in der Hand. Die Spieler einer Grundschule aus Berlin-Friedrichshain führten gegen die Gastgeber mit 3:1, kassierten eine Minute vor Schluss den Anschlusstreffer. Dann noch ein Abwurf, eine Kopfballverlängerung, ein Tor, Abpfiff. Trainer Dirk Seidler raufte sich die Haare, denn seine Berliner Jungs hatten das beste Torverhältnis, wären ohne dieses 3:3 Turniersieger gewesen.

Fußballertränen aber trocknen schnell: Eben hatte Thalia-Kicker Ole Petschner noch feuchte Augen und verstand die Welt nicht mehr, weil er auch noch das Duell um den Torschützenkönig gegen Leon Heinze aus Karlshagen verlor. Dann aber jubelte er mit seinen Jungs bei der Siegerehrung: denn Platz drei ist aller Ehren wert, die Auszeichnung als bester Spieler Lob und Lohn.

Auch Niklas Wenzel strahlte, denn Torhüter ist eigentlich nicht seine Position. Doch der kleine Kerl schmiss sich immer wieder mutig den Großen entgegen, hielt einige Unhaltbare und wurde so zum besten Keeper gekürt.

Gefreut aber haben sie sich alle, nicht nur über Maskottchen Karlchen und die vielen Fototermine, sondern über die Welle, die von den Zuschauerrängen herüberschwappte: Gänsehaut.

Olaf Schröder

Spiele:

  K./Z. I Kab.I Thalia Osts. K./Z. II Kan. Kab. II
Karlsh./Zinno. I x 3:1 0:6 0:1 1:3 0:2 4:0
SV Kablow II 1:3 x 0:6 1:8 1:3 2:1 0:2
Thalia Berlin 6:0 6:0 x 0:2 3:3 5:2 6:0
Ostseekicker 1:0 8:1 2:0 x 1:2 1:0 5:0
Karlshagen/Zinnowitz II 3:1 3:1 3:3 2:1 x 2:0 7:1
SV Kandelin 2:0 1:2 2:5 0:1 0:2 x 2:1
SV Merkur Kablow II 0:4 2:0 0:6 0:5 1:7 1:2 x

Endstand:

Platz Team Punkte Tore Diff.
1 SG Karlshagen/Zinnowitz II 16 20:7 +13
2 Ostseekicker 15 18:3 +15
3 Thalia Berlin 13 26:7 +19
4 SV Kandelin 6 7:11 -4
5 SG Karlshagen/Zinnowitz I 6 8:13 -5
6 SV Merkur Kablow II 3 5:23 -18
7 SV Merkur Kablow I 3 4:24 -20