Karlshagens Strand bleibt in United-Hand

Nein, der Beachsoccer-Cup Karlshagen soll kein Abklatsch der landauf, landab zunehmenden Strandfußball-Turniere werden, der Beachsoccer-Cup Karlshagen soll eine eigene Marke bleiben. Deshalb legt der Veranstalter Wert auf eine ausgezeichnete Location, ein handverlesenes Starterfeld, bei dem nicht die Jagd nach der Siegprämie im Vordergrund steht, und auf die Besonderheiten, die Beachsoccer bietet. Also das Spielfeld entspricht den internationalen Maßen, Fangnetze und sechs Spielbälle sorgen für ein Spiel ohne Verzögerungen und das bei einer Spielzeit von dreimal zehn Minuten.

Für manche „Beacher“ waren das erste Erfahrungen mit diesen Umständen, andere hätten gern noch länger gespielt, umso manche Überraschung verhindern zu können... Denn schon die Eröffnungspartie hatte eine. Das DRK Team Riesa hatte schließlich drei Mädchen mit am Start und nur wenig Erfahrung. Die BeachBastards aus Berlin dagegen stehen so lange wie keine anderen im Sand. Und trotzdem trennte man sich am Ende 2:2.

Eine außergewöhnlich farbige Note brachte der AS Rum ins Spiel. Die Demminer hatten diesen Teamnamen in Anlehnung an den AS Rom gewählt, doch überraschten sie mit jugendlich frischem Esprit. Allesamt im A-Juniorenalter wollten sie sich an der Szene messen. Das Beachteam Insel Usedom, das nur für diese Veranstaltung gebildet wird und durchaus als United II durchgehen kann, musste lange kämpfen, ehe der 3:1-Sieg unter Dach und Fach war. Auch Hohensee United wollte nicht gleich alle Karten offen legen und ließ nach dem 3:0 die Zügel locker. Der SV Merkur Askania Kablow, durch die Begeisterung der Kinder in den Sand gelockt, witterte Morgenluft, zog den Säbel und überraschte die eher mit dem feineren Florett agierenden Gastgeber. Es wurden zwei erstklassige Riposten (um in der Fecht-Sprache zu bleiben) benötigt, um 5:3 zu gewinnen. Sehenswert die Auseinandersetzung zwischen dem DRK-Team und den Demminern: R contraR, Riesa gegen Rum, das war ein Match, das keinen auf den Tribünensitzen hielt. Riesa hatte längst „Blut geleckt“ (wenn ein DRK-Team so etwas überhaupt darf) und war zielstrebiger. Die jungen „Wunsch-Römer“ nutzten ihre Chancen nicht. Riesa gewann 5:2 und feierte ihren Keeper.

Nun gab es etwas fürs Auge, denn Hohensee United und die BeachBastards sind reine Strand-Teams, bevorzugen also die etwas andere Spielweise. Der Gastgeber legte erneut blitzartig vor und führte sicher mit 3:0. Im Schlussdrittel nahm man auch zwei Gegentore locker. Doch dann legte sich Frank Reinhardt in die Luft und traf mit dem Tor des Turniers, einem Fallrückzieher der Extraklasse (O-Ton: So einer ist mir noch nie gelungen), zum Ausgleich. Cool, die Antwort vom Anstoß weg: Erik Miedke nagelt den Standard zum 4:3-Endstand ein. Also über Spannung und Abwechslung musste man sich zu diesem Zeitpunkt nicht beklagen.

Das sah das Beachteam aber anders. Mit der „Schrankwand“ im Tor und dem fehlerlosen Heiner Fritsche in der Abwehr, kam man besser ins Spiel. Außerdem ging Heiko Kruse voran. An seiner Erfahrung und an seinen Toren wurde das Beachteam ein perfektes Gebilde. Askania Kablow verlor 0:4, wenig später auch die Bastards 1:5. Zwischendurch hatte Hohensee standesgemäß 3:0 gegen Riesa gewonnen.

Auch der Tag zwei begann überraschend. Denn endlich belohnten sich die jungen Demminer. Dank eines Hattricks von Kai Berger drehte man gegen die Brandenburger aus Kablow einen Rückstand und gewann 4:1. Dagegen machten das Beachteam und die BeachBastards weiter wie am Vortag. United II siegte 7:1 gegen Riesa und 4:0 gegen Askania, Berlin vergeigte beim 2:2 gegen Askania Kablow. Jugend forscht,  war eine Überschrift auf der Homepage. Und der AS Rum bekam gegen Hohensee United eine Lehrstunde. Bereits nach dem ersten Drittel führte die United mit 6:0, dann waren es sogar 10. Doch die Jungen erzielten den Ehrentreffer zum 1:10-Endstand... Selten wurde ein Gegentreffer der United am heimischen Strand so bejubelt. Riesa hatte jetzt Platz drei vor Augen, vergeigte diesen aber mit einem 1:2 gegen Kablow.

Der exquisit ausgeklügelte Spielplan hatte also zwei Finals an das Ende gestellt. Die Berliner machten dabei ihrem Namen alle Ehre. Wie Bastards hatten sie nur zwei Punkte ergaunert, konnten mit nur einem Sieg den Sprung auf Platz drei schaffen. Die fleißigen Jungs aus Demmin mussten gewinnen, um ebenfalls Dritter zu werden, und um die Bastards auf den letzten Platz zu stoßen. Und so wehrten sich die Youngster mit allem was sie (noch) hatten und mussten nun auch im Dauerregen ihren Mann stehen. Einmal gelang der Ausgleich, dann aber setzten sich die „Bastard-Tugenden“ durch: 3:1 , und für den AS Rum blieb nur der sechste Platz.

14 Spiele waren absolviert, sieben Stunden Beachsoccer hatten neue Freunde gefunden und Fans in ihrem Hobby bestätigt. 78 Tore waren schon gefallen, ehe das Finale angepfiffen wurde. Eigentlich ist es unvorstellbar und nicht mit Worten zu beschreiben, wie sich das Beachteam Insel Usedom und Hohensee United „die Kante“ gaben. In einem unglaublichen Tempo wurden die Angriffe vorgetragen. Abwehrrecke Jens hatte schnell die Führung erzielt, doch ausgerechnet Keeper Hoffi nahm sich den Handstrafstoß und netzte zum Ausgleich ein. Auch wenn jetzt Erik, Totti, und plötzlich auch Robert trafen und der Vorsprung anwuchs, das Beachteam hielt mit einer ebenfalls feinen Leistung dagegen. Das 7:3 am Ende war Werbung für Beachsoccer auf Usedom.

Dass nicht nur dieses Spiel, sondern der 3. Beachsoccer-Cup Karlshagen etwas besonderes gewesen sein musste, zeigte sich in der abschließenden Szene: Die beiden United-Kicker Torsten Abraham und Erik Miedke mussten den Torschützenkönig ausschießen, dahinter standen in einer Front beide Teams umarmt, im strömenden Regen... Die abschließende Siegerehrung gabs dann aber im trockenen Festzelt, und auch das war ein besonderes Erlebnis. Und alle haben gesehen, das auf dem Schild des megagroßen Wanderpokals noch viel Platz ist, und alle haben versprochen wiederzukommen, um selbst die Trophäe nach Riesa, Kablow, Berlin oder Demmin zu holen...

Olaf Schröder

Spiele:

  Riesa Berlin AS Rum Beacht. Kablow HSU
DRK Riesa x 2:2 5:2 1:7 1:2 0:3
Beachbastards 2:2 x 3:1 1:5 2:2 3:4
AS Rum 2:5 1:3 x 1:3 4:1 1:10
Beachteam 7:1 5:1 3:1 x 4:0 3:7
Kablow 2:1 2:2 1:4 0:4 x 3:5
Hohensee 3:0 4:3 10:1 7:3 5:3 x

Endstand:

Platz Team Punkte Tore Diff.
1 Hohensee United 15 29:10 +19
2 Beachteam Insel Usedom 12 22:10 +12
3 Beachbastards Berlin 5 11:14 -3
4 DRK Riesa 4 9:16 -7
5 SV Merkur Askania Kablow 4 8:16 -8
6 AS Rum 3 9:22 -13